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Ehrenamtliches Engagement verstehen: Nützliche Motivationsmodelle

Karen Sommer-Loeffen, Diakonisches Werk Rheinland
(aktualisiert im Dezember 2009)

Was motiviert Menschen zu freiwilligem Engagement? Auf unterschiedliche Weise werden uns bei dieser Frage alle wichtigen Bedürfnisse begegnen. Sozialpsychologische Modelle zur Motivation können helfen, die Vielfalt der Bedürfnisse im Blick zu behalten, die bei jeder Art von Engagement eine Rolle spielen (können). Im folgenden eine Einführung in vier klassische Bedürfnismodelle, die auch beim Verstehen bürgerschaftlichen Engagements weiterhelfen können.

 

Motivation (lat. movere = bewegen)

bezeichnet den Zustand des Organismus, der die Richtung des aktuellen Verhaltens beeinflusst. Mit der Richtung des Verhaltens ist insbesondere die Ausrichtung auf Ziele gemeint. Ein Synonym von „Motivation“ ist „Verhaltenbereitschaft“. Motive bilden die Grundlage für die Motivation. Motive sind Bewegungsgründe des Handelns. Sie sind mit der Befriedigung bestimmter Bedürfnisse eng verknüpft.

Die Motivation ist für die Gewinnung und Bindung von Freiwilligen ein wichtiger Aspekt. Die Primärmotivation Freiwilliger hat sich verschoben. So steht zunehmend auch der Aspekt „Das Engagement muss mir Freude bereiten“ im Vordergrund. Um etwas tiefer in die Motivationsforschung einzusteigen seien hier einige für die Freiwilligenarbeit relevante Motivationstheorien aufgeführt.

1) Die Maslowsche Bedürfnispyramide Bedürfnispyramide (Maslow)

Die menschlichen Bedürfnisse bilden die „Stufen“ der Pyramide und bauen aufeinander auf. Der Mensch versucht zuerst, die Bedürfnisse der niedrigen Stufen zu befriedigen, bevor die nächsten Stufen Bedeutung erlangen.

Hypothese für die Ehrenamtsarbeit: Erst, wenn die Grundversorgung gesichert ist, ist die Offenheit für ein Engagement dar.

 

2) Fünf-Grundmotivationen-Modell

Werner Correll nennt 5 Grundmotivationen des Menschen:

1.      Soziale Anerkennung,

2.      Sicherheit und Geborgenheit,

3.      Vertrauen,

4.      Selbstachtung,

5.      Unabhängigkeit und Verantwortung.

Auch dieses Modell bietet für die Ehrenamtsarbeit interessante Ansätze. Wenn die Gestaltung des Engagementfeldes diesen Faktoren Rechnung trägt, kann eine Bindung an die Einrichtung erreich werden.

 

3) Intrinsische und extrinsische Motivation (Zwei-Faktoren-Modell)

Die intrinsische Motivation beinhaltet Neugier, Spontanität, Exploration und Interesse an den unmittelbaren Gegebenheiten der Umwelt. Intrinsisch motivierte Handlungen benötigen vom Prinzip her keine extrinsische Anstöße wie Drohungen oder Versprechungen. Die intrinsische Motivation kann sogar abnehmen, wenn extrinsische Belohnungen für ursprünglich intrinsische Aktivitäten angeboten werden, weil das Gefühl der Selbstbestimmung unterminiert werden kann. Extrinsische motivierte Verhaltensweisen treten nicht spontan auf, sie werden durch Aufforderung in Gang gesetzt, z. B. Noten. Wann immer möglich, sollte daher versucht werden, die intrinsische Motivation, auch Primärmotivation genannt, zufordern. Dies wird durch gezieltes Nachfragen der inneren Visionen ermöglicht, durch Übertragung von Kompetenzen oder Vorbildern bzw. durch das Schaffen einer geeigneten Atmosphäre und Umgebung.

„Der/Die richtige Ehrenamtliche am richtigen Platz ...“

 

4) Reiss-Modell

Reiss führt das menschliche Verhalten auf 16 relevante Lebensmotive zurück:

>Macht, >Unabhängigkeit, >Neugier, >Anerkennung, >Ordnung, >Sparen/Sammeln, >Ehre, >Idealismus, >Familie, >Status, >Rache/Wettkampf, >Eros, >Essen, >körperliche Aktivität, >emotionale Ruhe, >Beziehungen.

Obwohl diese Motive das Leben aller Menschen beeinflussen, unterscheiden sich die Individuen beträchtlich, wie intensiv sie diese erleben und gestalten. Es gibt Milliarden verschiedener Motivprofile, die einen Fingerabdruck des Motiv-, Interessen- und Wertprofils eines Menschen darstellen.

 

Tipps

  • Es hat sich erwiesen, dass die intrinsische Motivation trägfähiger und dauerhafter ist als die extrinsische. Dies geschieht, wenn man einen Sinn im Tun erkennt. Der Sinn wird meist in Verbindung mit der klaren Zielsetzung deutlich.
  • Es gibt mehrere Arten von Motiven, die man für die Motivation nutzen kann. Je mehr dieser Motive man für seine Zielerreichung nutzen kann, desto stärker wird letztendlich auch die eigene Motivation. Mögliche Motive sind: Interesse, Wissensrang, Vollendungsstreben etc.
  • Ein gutes Anerkennungssystem nutzt die extrinsischen Reize zur Motivationsstärkung. Durststrecken sollten vermieden werden. Zur extrinsischen Motivationsverstärkung sollte nicht das gleiche Motiv gewählt werden, z. B. Lehrbuch lesen, Roman lesen als Belohnung.
  • Vermeidung von Motivationsstörungen, z. B. Störungen sollten erst einmal aufgearbeitet werden.
  • Jugendliche sind auf der Suche nach ihrem Lebensprofil, daher ändern sich bei ihnen das Motivationsgefüge. Diesem könnte in der Ehrenamtsarbeit mit projektbezogenen Angeboten begegnet werden.
  • Am beständigsten sind Interessen, in denen sich die Grundbedürfnisse der Persönlichkeit am eindeutigsten offenbaren.

 

Literaturhinweis

Heinz Frantzmann / Karen Sommer-Loeffen / Ursula Woltering: Ehrenamt. Das Qualitätshandbuch Freiwilligenmanagement am Beispiel von Diakonie und Kirche. Diakonie in Düsseldorf, 2007. Siehe dazu die Buchvorstellung hier im Forum Seniorenarbeit.

 

Kontakt

Karen Sommer-LoeffenKaren Sommer-Loeffen
Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche im Rheinland
Lenaustraße 41
40470 Düsseldorf
Telefon: 0211/ 6398-258
E-Mail: ksommer-loeffen@dw-rheinland.de

  

  

   

Dieser Artikel ist Teil des Themenschwerpunktes November 2007 Bürgerschaftliches Engagement im Fokus: Beweggründe, Bedürfnisse und Erwartungen von älteren Ehrenamtlichen.

 

Autor: Christian Carls